
Der Bildermarkt ist tot, es lebe der Bildermarkt!
In den letzten Jahren sind nicht nur Bildagenturen wie Pilze aus dem Boden geschossen, sondern auch Foren und Chatseiten. Auf vielen dieser Seiten, die sich mit dem Bildermarkt oder der Fotografie beschäftigen las man Berichte wie „Der Bildermarkt ist Tod" oder „Die Stockfotografie ist am Ende". Tot oder zu Ende ist lediglich die Zeit, in der einfach programmierte Agenturen am Markt Erfolg haben können. Trotz der gegenwärtigen immensen Krise ist doch festzuhalten, dass der Bildermarkt nach wie vor ein Markt bleibt, auf dem Tag für Tag viele Anbieter auf viele Nachfragern treffen. Dementsprechend halten wir es für richtig, davon zu sprechen, dass der Bildermarkt von 2002 – 2009 tot ist, aber eine neue Phase des Bildermarktes anfängt. Eigenschaften dieses neuen Bildermarktes:
1.) 2010 / 2011 wird eine marktbereinigende Zeit sein, in der viele gerade mittlere Agenturen, die lediglich über eine einfache Bildersuche verfügen und ohne Spezialisierung zu allem einige Motive präsentieren, schließen werden. Grund: Große Agenturen drücken von oben, sind günstiger, haben mehr Auswahl, sind meist mehrsprachig und verfügen über viele Lizenzmodelle wie Flatrate usw. Kleine Agenturen drücken von unten nach. Die kleinen verspüren dabei keinen Kostendruck wie die mittleren, sind flexibler und nicht selten innovativer programmiert.
2.) Es wird auf dem neuen Bildermarkt bedeutend weniger Neugründungen geben als die Jahre davor. Wenn in den Jahren bisher ein regelrechter Goldrausch auf dem Bildermarkt herrschte, wird man mittlerweile in den Foren der Fotobegeisterten vorsichtigere Töne hören. Man weiß, dass der Markt schwieriger geworden ist, dass man schneller als gedacht im Internet untergehen kann und dass es bedeutend schwieriger ist, nicht nur eine Agentur zu gründen, sondern diese auch am Laufen zu halten.
3.) Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Angebot an Bildagenturen unüberschaubar. Regelrecht am Fließband wurden Agenturen gegründet, die eine einfache Bildersuche und ein paar schöne Fotos auf der Hauptseite zeigen. Genau in dieser Zeit sprechen Marktkenner mehr denn je davon, dass ein Motto entscheiden wird, wer überlebt oder nicht: „Entweder größter Anbieter oder Spezialist, alle anderen Anbieter laufen große Gefahr, in den nächsten Zeiten in der Bedeutungslosigkeit unterzugehen".
4.) Der neue Bildermarkt wird eine Qualitätsoffensive bei den Agenturen einfordern. Es wird bei weitem nicht mehr reichen, eine Webpräsenz mit einer Bildersuche und ein, zwei Specials anzubieten. Gute Fotografen werden wählerischer und suchen die Agenturen genauer nach vielen Kriterien aus. Daher werden wohl gerade die einfach programmierten Agenturen aufgrund fehlender Anbieter UND Nachfrager in 2010 oder 2011 aufgeben.
5.) Der neue Bildermarkt wird den Traum „vom Fotografen zum Millionär" immer seltener wahr werden lassen. Lebensgeschichten wie Yuri Arcurs, der durch die Stockfotografie zum Millionär wurde, gehören wohl ein für alle mal der Vergangenheit an. Gute Foren wie "Picturetom" und "Alltag eines Fotoproduzenten" weisen immer wieder darauf hin, dass ein Fotograf, der von der Fotografie leben möchte, mehr Standbeine finden muss als den Handel seiner Fotos über Bild- Fotoagenturen.
6.) Microstock ist aus dem neuen Bildermarkt nicht mehr wegzudenken. Seit 2008 wurde im größeren Rahmen das Wort Microstock von verschiedenen Agenturen eingeführt. Fotos sind seitdem zu Centpreisen zu haben. Dieser Trend ist eine feste Größe des Bildermarktes geworden und wird auch weiterhin präsent sein. Die Agenturen, die es nicht verstehen, diesen Trend in ihr Geschäftsmodell zu integrieren, werden es in den kommenden Zeiten sehr schwer haben, über die Runden zu kommen. Diese und weitere Punkte muss sich jeder ernstzunehmender Anbieter unserer Meinung nach im Besonderen ab 2010 stellen.